Wolfgang Heuwinkel
ElementareProzessemitZellstoff
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© 2016 Wolfgang Heuwinkel

 

Elementare Prozesse mit Zellstoff


 

   
   
 
 

 

     




 


Gedanken zur Eröffnung der Ausstellung (Konzept) von Frau Dr. Renate Goldmann, Direktorin des Leopold-Hoesch-Museum, Düren


Elementare Prozesse mit Zellstoff – Wolfgang Heuwinkel
Ausstellung im Katholisch-Sozialen Institut, Bad Honnef 14.5. bis 8. Juli 201

Sehr geehrte Damen und Herren,
lieber Wolfgang Heuwinkel,

Elementare Prozesse mit Zellstoff bezeichnet Wolfgang Heuwinkel seine Ausstellung mit ca. 60 teils aktuellen Werken, – vom Künstlerbuch,
über die Collage bis zur Skulptur – und führt damit seine nunmehr dreißig Jahre lange internationale Ausstellungsarbeit fort.

Elementare Prozesse mit Zellstoff der Titel, vom Künstler selbst gewählt, klingt zunächst deskriptiv, eher nüchtern, schlicht rational
er lässt an Chemie, an theoretisches Fachwissen, an Kommunikationsmodelle denken. Auch hört er sich konstruktiv und mitteilsam an:
Elementare Prozesse mit Zellstoff drei ausdrucksstarke und bedeutungsvolle Begriffe, denen wir uns unorthodox in umgekehrter Reihenfolge nähern möchten.

Beginnen wir mit dem Zellstoff: Was genau verbirgt sich dahinter?

Zellstoff das skulpturale Material und der Bildträger um das es hier geht – wird aus der Natur – zu 90 % aus Holz – hergestellt.
Das Holz bzw. die Pflanzen werden im chemischen Prozess aufgelöst und zu einer faserigen Masse zersetzt, diese wiederum zu festen Bahnen und Bögen gepresst.
Die geschichteten Bögen ergeben stabile Zellstoff-Blöcke. Diese Zellstoffblöcke finden dann ihren Weg in die Papierindustrie, in die Papierfabriken.
Über Förderbänder wandern die schweren, wuchtigen Blöcke in einen sogenannten Pulper (große Bütte) unter dem Zusatz von viel Wasser und chemischen Zusatzstoffen
werden sie zermalen und zu einer flüssigen Masse (Pulp). Auf einem großen Sieb verteilt und auf einer langen Strecke getrocknet entsteht das Papier – meist auf sehr
breiten Rollen am Ende der Maschine herausgefördert. So entstehen aus Zellstoff vielfältige Sorten von Papier…. Kurz gesagt: Zellstoff ist somit Papierfaser als auch Pulp.

Aufgrund seines einstigen Arbeitsumfeldes der Papierfabrik Zanders in Bergisch Gladbach ist Wolfgang Heuwinkel diesem Material vertraut,hat die betonähnliche
Härte des Materials und seine Umwandlung in eine geschmeidige Masse erlebt, hat er zwischen seinen Fingerspitzen die lauwarme, weiche Pulpmasse oftmals gefühlt,
war fasziniert von der Energie, der Wärme, der Dynamik der Maschinen und nicht zuletzt der Lautstärke unter der Papier aus Zellstoff entsteht.

Kommen wir zurück zum Titel:
Elementare Prozesse mit Zellstoff das klingt auch nach Alchemie, nach Verwandlung, nach Experiment mit ungewissem Ausgang.

Prozesse bilden schließlich neue Konstellationen Prozesse setzen etwas in Gang und beenden auch Dinge - Zeitlichkeit wohnt diesem Begriff inne,
den Mut die Dinge auszuhalten und abzuwarten.

Heuwinkel wird auch beeinflusst sein durch die Prozesskunst der 60er Jahre, als Künstler den Betrachter – meist durch die Videoaufzeichnung – an der Entstehung
eines Kunstwerkes teilhaben lassen wollten. Als der Prozess Teil des Ergebnisses war.
Und er zeigt uns die Ergebnisse seines Arbeitsprozesses, seiner Arbeit am und mit dem Zellstoff mit Wasser, Feuer, Werkzeugen, Fetten und Farben.

Heuwinkel transformiert seine Erscheinung, greift in das Material ein, dringt in das Material vor. Besonders die Außenskulpturen – hier pflanzt er in die Zellstoffblöcke
kleine Baumsetzlinge ein – erzählen von dem Prozess des Naturkreislaufs ((Erste Begegnung im Schlosspark Stammheim; Summer of Paper im Leopold-Hoesch-Museum))
Der Witterung der Jahreszeiten ausgesetzt verändern diese Skulpturen ihre Erscheinung, atmen diese Stillleben die Kraft des Wachstums, spiegeln Werden und Vergehen.

Heuwinkel probiert vieles aus – geradezu spielerisch kindlich – lässt sich vom Material leiten und verführen, stellt immer wieder das Material in den Mittelpunkt der Prozesse.
Unvoreingenommen, roh, direkt, in seiner Konsistenz belassen wird es gerissen, collagiert und weiß zerfasert, zur vertikalen Säule, zur horizontalen Fläche.
Das Material kann auch für das Spiel von Fülle und Leere eingesetzt werden. (Beispiele finden Sie in den Vitrinen)

Und doch weiß Heuwinkel um die Schönheit und Macht der FARBE weiß er doch als studierter Grafiker um die Wirkung von Farbe, Licht und Schatten;
von dem Aufeinandertreffen eines Rotes, Blaus, und Grüns, von der Atmosphäre des Lichtes. „Farbtransfer in Zellstoff“ benennt Wolfgang Heuwinkel selbst diesen
Vorgang und das „Material malt für ihn“. Dünnflüssige abgeleitete Aquarellfarbe verwandelt den Zellstoff in eine abstrakte Farbwelt. Die großen Chromatographien
faszinieren durch breite Farbverläufe, indem der Zellstoff in Farbwannen hineingestellt wird, sich durch die Kapillarwirkung voll saugt und mit Farbe durchtränkt.

Bewusst aber greift der Künstler in den Prozess ein, versucht den richtigen  Moment abzuwarten, um das Wesentliche hervorzukehren.Den wesentlichen Moment der
künstlerischen Arbeit, die Gegenwart des Grundsätzlichen.

Elementare Prozesse mit Zellstoff

Elementar bedeutet den Dingen auf den Grund gehen, hinter das Geheimnis der Existenz schauen, aber auch einfach natürlich, vielleicht einfach menschlich sein.
Wie sich aber dem Ursprung nähern? Auch die Landschaften, Insel und Länder, die Heuwinkel bereist, sind ursprünglich Lanzarote, die Nordsee, Island,
Finnland Länder, in denen Naturelemente wie Feuer, Steine und Wasser eine große Rolle spielen, in denen man sich nah an Urzuständen fühlt, in denen es
Ursprünglichkeit zu entdecken gibt.
Hierfür braucht man Hartnäckigkeit und Heuwinkel kennt die Herausforderung und wird mit der Zeit mutiger – ist nicht das Material eine Herausforderung an sich,
das eine jahrzehntelange Auseinandersetzung provoziert? Vielleicht liegt das Geheimnis seiner Arbeiten gerade in der Natürlichkeit des Umgangs?

Heuwinkel bietet uns in seinen Werken Elementare Prozesse mit Zellstoff ein Beobachten und Nachdenken,
eine haptische im wahrsten Sinne des Wortes mit-fühlende Sicht auf die Dinge.

Oder wie Dostojewski es einst ausdrückte:
„Man kann vieles unbewust wissen, indem man es nur fühlt aber nicht weiß.“


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.